Bahr: Demografische Herausforderungen als Jobmotor

Berlin, 11. Juni 2012
Daniel Bahr
Daniel Bahr
Gesundheitsminister Daniel Bahr hat auf dem "Ländliche Räume"-Kongress der Koalition davon abgeraten, die demographischen Herausforderungen ausschließlich mit Katastrophenszenarien schlecht zu reden. Mit dem Versorgungsstruktur-gesetz habe die Koalition bereits wichtige Anpasssungsprozesse im ländlichen Raum eingeleitet. Gerade die personalintensive Gesundheitswirtschaft berge Chancen, die Arbeitsmarktsituation in der Fläche zu verbessern.

Demografische Herausforderungen als Jobmotor

Leben auf dem Land muss Zukunft haben. Diesem Motto hat sich die koalitionsübergreifende Arbeitsgruppe „Ländliche Räume, regionale Vielfalt“ verschrieben, die auf Initiative von FDP und CDU/CSU im Februar 2012 ins Leben gerufen wurde. Am Montag fand hierzu im Reichstagsgebäude ein Kongress der Arbeitsgruppe mit Diskussionsmodulen und Vorträgen zu den verschiedenen Schwerpunktthemen statt. Beim Modul zum Thema „Neue Wege in der Daseinsvorsorge gehen“ sprach Daniel Bahr über die demographischen Herausforderungen für die medizinische Versorgung der ländlichen Räume.

Gleich zu Beginn stellte er klar, dass der Ärztemangel kein Problem der Ballungsräume sei. Die Herausforderungen lägen darin, die medizinische Versorgung in der Fläche auch künftig noch gewährleisten zu können. Alterung der Bevölkerung und die Landflucht junger Menschen in die in die Großstädte sorge dafür, dass das von Vorabendserien geprägte Bild vom „Landarzt“ unrealistischer denn je sei. Denn auf dem Land herrsche chronischer Nachwuchsärzte-Mangel, betonte der Liberale.

Versorgungsstrukturgesetz setzt Anreize für junge Ärzte



Der Gesundheitsminister hat daher mit dem Versorgungsstrukturgesetz gezielte Anreize für junge Ärzte geschaffen. Dafür wurde die „leistungsfeindliche Vergütung“ der Mengenabstaffelung gelockert. Die Förderung von Kooperationen soll zusätzliche Wochenenddienste vermeiden. Auch die Residenzpflicht für Landärzte wurde aufgehoben, so dass Job und Familie besser vereinbar werden. Zudem könne eine flexiblere Bedarfsplanung durch detaillierte Erhebungen in den jeweiligen Bezirken Schwachstellen gezielter unterstützen.

Landärzte zu Teamplayern in der Fläche machen



Der Gesundheitsminister sieht außerdem in der „besseren Verzahnung der medizinischen Versorger“ viel Potential für eine flächendeckende Versorgung. Hier gehe es nicht darum, Landärztestellen durch das Delegieren von Aufgaben abzuschaffen, sondern diese durch Teamwork zu entlasten, stellte er in seiner Rede klar. Auch die Telemedizin, wie das Hinzuschalten eines Experten via Internet, könne hierzu beitragen.

Gesundheitswirtschaft als Jobmotor der ländlichen Räume



Mit Blick auf den Arbeitsplatzmangel im ländlichen Raum hob Bahr hervor, dass in der Gesundheitswirtschaft krisensicheres Potential schlummere. Die Automobilindustrie beispielsweise, könne zwar ihre Fertigung ins Ausland verlagern – Pflegedienst, Krankenhäuser und Zulieferer könnten dies nicht. Die demographische Entwicklung biete Chancen, die häufig bloß als Krise bezeichneten Zustände als Jobmotor zu nutzen.